Ansturm auf Ökostrom?
Energie July 31st, 2011In diesem Jahr hat sich ein Szenario in der deutschen Energiepolitik ergeben, von dem viele Alt-Grüne schon seit Jahrzehnten geträumt haben. Der Atomausstieg wurde beschlossen und die Energiegewinnung aus der Kernspaltung mit all ihren unangenehmen Nebeneffekten wird bald Geschichte sein. Auch so werden die Menschen noch lange mit den radioaktiven Abfällen zu tun haben, doch zumindest wird in diesem Land kein neuer produziert. Nun scheint auch für den Letzten der Startschuss gefallen, sich auch bei der hauseigenen Energieversorgung nach Alternativen umzusehen.
Wo gibt es grünen Strom?
Schon lange, kurz nach der Liberalisierung des Strommarktes, haben sich einzelne Anbieter des Themas Ökostrom angenommen. Mit vergleichsweise kostspieligen Tarifen versorgten sie diejenigen mit Strom, die schon immer in der Organisation ihres Alltags auf Umweltfreundlichkeit Wert gelegt haben und dazu bereit waren, etwas mehr dafür zu bezahlen. Inzwischen zeigt ein Blick auf www.oekostrom.com, dass die Zahl der Ökostromanbieter rapide gewachsen ist. Und das ist auch die Nachfrage. Denn die jetzige Energiewende bringt ein erhöhtes Bewusstsein der Menschen für die Endlichkeit der fossilen Ressourcen mit sich und erhöht den Bedarf nach sauberem und vor allem ungefährlichem Ersatz. Wo der jetzt aus Atomstrom nicht mehr gewährleistet werden kann, bieten sich die grünen Alternativen an. So besuchen zahllose Menschen jeden Tag Internetseiten wie www.wechseln.de und rechnen ihren Bedarf aus, gehen die Modalitäten durch und wechseln dann ihren Stromanbieter. Dann fließt auf einmal grüner Strom aus der Steckdose und das ökologische Gewissen kann beruhigt sein. Oder etwa nicht?
Wirklich grün ist oft nur das Etikett
Zum einen sollte sich jeder Bezieher grünen Stroms darüber bewusst sein, dass er damit keinen Freifahrtschein für haltlose Energieverschwendung erworben hat. Sparsame Geräte und ein verbrauchsbewusstes Verhalten kann dadurch keinesfalls ersetzt, sondern bestenfalls ergänzt werden. Noch viel mehr lauert die schöne Scheinheiligkeit aber schon beim Etikett, unter dem viele Anbieter Ökostrom vertreiben. So kann man auf www.oekostrom.com neben Tarifen auch wichtige Informationen nachlesen. Hier kann und sollte man sich über die verschiedenen Ökostromsiegel informieren, die sich derzeit auf dem Markt befinden. Je nach Siegel kann Ökostrom nämlich auch bis zu 70% aus fossilen Ressourcen gewonnen worden sein, solange diese in den als besonders effizient geltenden, modernen Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen verheizt wurden. Außerdem gibt es auch käufliche Gütesiegel, wie die RECS-Zertifikate, die lediglich Herkunftsnachweise sind und auf jegliche Herkunft verweisen können. Wer wirklich grünen Strom beziehen will, muss auf das Grüner Strom Label achten und dabei auch noch auf die Gold-Variante bestehen. Denn nur hier wird neben 100% Ökostrom auch gewährleistet, dass eine Abgabe in den Netzausbau und die Zukunft der regenerativen Energien gesteckt wird.